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WENN FLIEGEN FLIEGEN FLIEGEN FLIEGEN
wo fehlen zwei e?
ZURÜCK leerstand seit 1999 - fertigstellung herbst 2005
eeebaumaßnahmen nicht in sicht

dreidorf ist überall und bist du - ibbe dibbe dab und du bist ab
bitte locker bleiben und nur keinen sand in den kopf stecken

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Sie sehen eine buntbemalte tür. früher schrieb man das mit h. zugegeben: viele far-
ben, schön bunt hier, würde nina hagen sagen. na gut, so etwas ist geschmackssa-
che. keine türklinke? ja, geht denn da niemand ein und aus? wo die tür zu finden
ist? mitten in der fußgängerzone einer kleinstadt namens dreidorf, die sich für die
größte im rhein-sieg-kreis hält und darum bereits vor jahrzehnten die längste fuß-
gängerzone europas
, wenn nicht der welt, bauen ließ. mittlerweile sind die meisten
pflastersteine lose, was beim gehen, noch schöner beim radfahren schöne klackern-
de melodiefolgen ermöglicht. Sie sehen: es wird etwas geboten. und das alles kos-
tenlos. anderes kommt den steuerzahler dafür teuer zu stehen. übrigens ist fuß-
gänger wie weißer schimmel ein pleonasmus. gehen bedeutet immer mit den füs-
sen. oder mit welchem körperteil geht man gewöhnlich? Sie sehen: die sache hat
hand und fuß.

wie kam es zur bunten tür?
nun, es gibt nicht nur eine bunte tür, da sind viele bunte
fenster eines ganzen straßenblocks, aber auch fenster, die nicht bemalt werden
wollten und nun einen klaren blick auf die umgebung haben. so etwas freut fenster
noch mehr, wie alle wissen, die schon mal mit einem fenster gesprochen haben.

alles fing mit einem besuch eines städtischen mitarbeiters, der ungenannt sein möch-
te, in island an, der daselbst zufälligerweise, sollen wir das glauben?, den dort so
genannten feenbeauftragten kennenlernte. man muß wissen, daß es in island nur
so von elfen, gnomen und trollen wimmelt. da diese wesen gerne auf und unter stra-
ßenkreuzungen wohnen, muß man in island bei bauvorhaben, die solche sensiblen
wohnbereiche betreffen, eben den feenbeauftragten konsultieren, regelmäßig und
nicht ab und an.

auch wenn dies eine realsatire ist, glauben Sie bloß nicht, daß alles frei erfunden ist.
ganz im gegenteil: es hat sich so zugetragen oder fast so. was geschah dann?

der städtische mitarbeiter erzählte dem feenbeauftragten von einem geplanten bau-
objekt, es ging um eine einkaufspassage in dreidorf. der name war den stadtoberen
früher peinlich, darum beschloß man, noch einige dörfer hinzu zu nehmen, was ir-
gendwann dreidorf rechnerisch zur größten stadt im kreisgebiet machte. es waren
dann mehr als drei dörfer, aber man konnte eine stadt darum nicht einfach in sieben-
oder achtdorf umbenennen. man beließ es also bei dreidorf. aus dorf war einfach
nicht stadt zu machen.

dabei war es napoleon, dessen soldaten mehr als einmal fisimatenten machten, er
gab der stadt den namen
. damals schrieb man drei noch trois. deutsch wurde wie-
der deutsch und aus trois wurde wieder drei. ein späterer österreicher wollte nicht
an napoleons erfahrungen im sibirischen winter glauben und ließ noch schlimmere
seinen soldaten angedeihen. aber das ist eine komplett andere geschichte, die sich
hier versehentlich hin verirrte.

der feenbeauftragte hörte geduldig zu, als der städtische mitarbeiter ihm seine sor-
gen schilderte. trotz hervorragender lage im herzen der fußgängerzone sei es un-
möglich, einen investor zu finden. darum könne man auch nicht bauen. und das nicht
erst seit gestern. nein, schon jahrelang könne man nicht bauen. so lange stünden
bereits die häuser leer. millionen habe das gekostet. der
feenbeauftragte schüttelte
ungläubig den kopf? seit jahren? ja, um gottes willen, warum hatte man denn so et-
was gemacht? ihm fiel, als gebildetem isländischen staatsbürger ein altes zitat auf
latein ein: cui bono?
nein, Sie müssen nicht klicken, Sie kennen die bedeutung. dem
isländer war auch die alte wendung geläufig: dein geld ist weg? es ist nicht weg, es
ist nur woanders. Sie müssen wissen, isländer wie auch dänen und andere duzen
sich prinzipiell. der deutsche ist da anders. er mag sicher auch den spaß, aber den
nimmt er, besonders im karneval, sehr ernst.

dummerweise, so fuhr der städtische mitarbeiter fort, hätte man schon in erwartung
des prächtigen bauvorhabens den mietern von mehr als einem dutzend häusern ge-
kündigt und alles vorbereitet: rohre, stromleitungen, sämtliche installationen aus den
häusern entfernt. man schuf vollendete tatsachen. das ist ja ungefähr so sinnvoll, als
würde ein bauherr, der noch gar keine baugenehmigung hat, seine alte wohnung
küngigen und das komplette baumaterial einkaufen.

so saß die stadt auf mehr als einem dutzend häusern herum, die sie für teures geld,
na sicher auf pump, den besitzern abgekauft hatte. und was das koste: jeden monat
allein mehr als zwanzigtausend euro nur an zinsen. natürlich hätte man die men-
schen mit befristeteten mietverträgen in den häusern bis zum baubeginn wohnen
lassen können. ja, warum eigentlich tat man das nicht? der städtische mitarbeiter
und mit ihm der feenbeauftragte seufzten einmütig.

denken Sie mal kurz an das maut-desaster. anstatt eine vorhandene mautlösung, die
funktionierte, zu belassen, wurde diese abgeschafft in erwartung der zukünftigen,
die leider, wie wir alle wissen, nicht wie vereinbart kam, sondern jahre verspätet. na-
tür
lich mit äußerst günstigen konditionen für die betreiber, die sich dennoch weltweit
lächerlich machten, und einnähmeausfällen in milliardenhöhe. da hätte man besser
das österreichische modell gewählt.

hinterher ist man ja immer schlauer.
offenbar war gefahr im verzuge (so nennt man
gewöhnlich eine verfahrensweise, die bestimmte regularien außer kraft s
etzt), und
man räumte schnell in dreidorf die häuser leer und die menschen hinaus.

was sagt der rechnungshof dazu? wer ist dafür verantwortlich? aber Sie verstehen:
so etwas zu fragen, schickt sich nicht.

es war furchtbar. nichts tat sich. keiner wollte ein einkaufszentrum in einer stadt
bauen, wo die menschen schon ein-euro-läden in hülle und fülle haben. dreidorf ist
ja schließlich nicht düsseldorf. (this is not america)

mittlerweile fielen die leerstehenden häuser immer mehr menschen auf, die täglich
durch die fußgängerzone gingen. genau gegenüber dem areal kann man jetzt noch
einen leckeren italienischen cafe und eis genießen und schaut dabei unwillkürlich
frontal auf das geplante bauvorhaben.

im gespräch mit anwohnern und passanten hörte man schnell aussagen wie: "da
wird nichts draus" oder in steigerung: "da wird nichts mehr draus" oder "viele,
auch die ansässigen geschäftsleute, sind sauer".

bei der stadt spürte man auch handlungsbedarf, denn sie kann sich einen leerstand
von so vielen häusern nicht leisten, selbbst wenn es mal eine planung gab, die sich
bisher in mehreren jahren nicht durchsetzen ließ.

da kam wie gerufen der städtische mitarbeiter aus dem urlaub zurück und infor-
mierte die städtischen würden- und verantwortungsträger über seine erkennt-
nisse. er hatte aufgrund der ernsten lage den isländischen feenbeauftragten,
herrn leif gutmundsdottir passenderweise gleich mitgebracht.

schnell kam der ausgewiesene feenexperte (nein, er war nicht aus dem land ge-
wiesen worden) zum schluß, daß das geplante bauvorhaben undurchführbar sei.
es befänden sich genau im kreuzungsbereich feenwohnungen, die auf jeden fall
schüzenswert seien. das hatte er schon geahnt und die untersuchungen bestä-
tigten seine früheren vermutungen.

die bisher aufgetretenen probleme bei der umsetzung des an sich edlen und ganz
und gar uneigennützigen bauvorhabens seien eindeutig auf den widerstand der
im verborgenen wirkenden feen, gnome und elfen zurückzuführen.

der stadtrat mit allen anwesenden erschrak und erbleichte sogleich. es wurde spä-
ter berichtet, daß sogar bei einigen die haare plötzlich weiß geworden waren.

aber, schreck laß' nach: problem erkannt, problem gebannt. natürlich nicht wirk-
lich. gegen feen ist kein un- und sonstiges kraut gewachsen. da ist rein gar nichts
gegen auszurichten, außer besprechung und beratung mit den elfen.

vielleicht ziehen sie ja freiwillig um. herr leif gutmundsdottir versuchte sein bestes.
die feen wollten bleiben, wo sie sind: in den leeren häusern. selbst ein besuch im
bilderbuchmuseum und stöbern in alten schriften halfen nicht weiter.

da erinnerte sich die stadt an den alten herr potemkin. was der kann, das können
wir lange schon. in einer hübschen aktion durften kinder (oder künstler?) die leer-
stehenden
häuser bunt bemalen.
abends werden hinter den schönen glasmalerei-
en sogar lampen entzündet, was eine behagliche, anheimelnde atmosphäre schafft.

der unbezahlbare nebeneffekt: alle, die tagsüber oder abends an den häusern vor-
beigehen, müssen unzweifelhaft davon ausgehen, daß die häuser bewohnt sind
und von menschen belebt werden. manche, die es besser wissen müssten, glauben
es sogar, da mag die macht der gewohnheit eine rolle spielen. auch ich war jahre-
lang darauf hereingefallen, bis zu dem tag, als ich mich fragte, wie die leute, die
hinter
den bemalten fenstern wohnen, nach draußen schauen. denn, auch wenn
sich die fenster in den oberen etagen befanden, konnte man von draußen erken-
nen, daß sie blickdicht bemalt sind. ich konnte und wollte mir nicht vorstellen, daß
da menschen wohnen. mir war plötzlich völlig klar: da wohnt niemand.

man könnte auch sagen: etikettenschwindel auf hohem niveau, aber ich werde
mich hüten, so etwas öffentlich zu sagen und
schlage vor, demnächst führungen
(kostenpflichtig) durchzuführen und gelegentliche konzerte in den häusern zu
geben. die unsichtbaren bewohner würden sich freuen.

also, nichts für ungut. nicht die stadt, keiner, niemand kann etwas dafür. die elfen
waren's.
so einfach kann wahrheit sein.

p.s. Sie werden natürlich niemals aus naheliegenden gründen eine öffentliche ver-
lautbarung über die wahren hintergründe zu lesen oder hören zu bekommen. da-
für gibt es einige gründe:

erstens hätte man einen investor haben müssen, bevor die stadt die häuser räu-
men ließ und zweitens dadurch dem steuerzahler die zinsen erparen können, die
regelmäßig auflaufen, was schon peinlich genug ist, und drittens ist da die sache
mit den elfen, die viertens bedeutet, daß zu weihnachten, trotz ankündigung, die
immer noch im schaufenster hängt, keine stadtpassage fertig sein wird.
dann
reicht's fünftens für prima rentierschlittengaragen, die werden ja um die zeit
immer dringend gebraucht. dafür kann man alles so lassen, wie es ist. auch nicht
schlecht, oder? sechstens läßt sich
nach alternativen fragen, die siebtens bisher
auf sich warten lassen. vorschlag?

wie wäre es, einige 1-euro-menschen einzustellen und in den leeren häusern
übungsfirmen bzw. übungsgeschäfte einzurichten? man könnte damit prima
verkaufstätigkeit und leben simulieren. dann könnte wirklich alles bleiben, wie
es ist.

sagen wir es mit uns loddar :"nur keinen sand in den kopf stecken". oder viel-
leicht angesichts des hübschen desasters doch? ja sicher: erst augen zu, dann
kopf in den sand, oder doch sand in den kopf?

wir dürfen in deutschland nicht immer alles schlecht reden. für's schlecht machen
sorgen schon andere genug.
darum gibt es jetzt eine neue kampagne: deutsch-
land bist du
. ja, dann bin ich deutschland? klar doch: jeder ist deutschland, zu-
mindest ein stück davon. toll, danke, etwas, das wir unbedingt erfahren mussten.

man muß nicht alles ernst nehmen und kann im schlechten auch das gute finden
oder, noch besser: das schlechte einfach gut finden oder es rundweg leugnen.
leere häuser in dreidorf? gibt's doch nicht. (am besten mit empörtem gesichts-
ausdruck). aus der geschichte: niemand hat die absicht, eine mauer zu errichten.
was wir von ehrenworten zu halten haben?

beschiss, verzeihen Sie ein mehr als deutliches wort, ist ja nichts anderes als eine
düngerbeihilfesondergabe, also eigentlich etwas nützliches, stinkt aber.

eins ist klar:
alles wird gut. fragt sich, für wen und wann und wo... .
dann troll' ich mich jetzt mal.

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